Enterbt – aber nicht ohne Rechte

Wie setze ich meine Ansprüche auf den Pflichtteil erfolgreich durch?

In meiner erbrechtlichen Beratungspraxis nimmt die Thematik „Pflichtteil“ breiten Raum ein. Während Erben fragen, wie sie mit Pflichtteilsansprüchen umgehen müssen, wollen Pflichtteilsberechtigte wissen, wie sie diese erfolgreich durchsetzen. Klar muss sein: Der Pflichtteilsanspruch ist allein auf die Zahlung eines Geldbetrages gerichtet. Der Berechtigte kann weder Ansprüche auf bestimmte Nachlassgegenstände stellen, noch über ihre weitere Verwendung bestimmen. Dies betrifft insbesondere auch Erinnerungsstücke an den Erblasser.

Der Erbe kann jedoch selbstverständlich Gegenstände freiwillig dem Pflichtteilsberechtigten überlassen. Damit Letzterer seinen Geldanspruch geltend machen kann, benötigt er zunächst die Berechnungsgrundlagen. Hierzu hat er einen gesetzlichen Auskunfts- und Wertermittlungsanspruch gegenüber dem Erben. Der Erbe muss über den Nachlassbestand zum Todestag durch Anfertigung einer einheitlichen und geordneten Aufstellung sämtlicher Aktiva und Passiva Auskunft erteilen. Hierzu gehört auch, was der Erblasser innerhalb der Ehe an seinen Partner zugewandt hat und was von ihm innerhalb der letzten zehn Jahre vor seinem Versterben Dritten geschenkt wurde. Ausgenommen bleiben sogenannte Anstandsschenkungen zu Geburtstagen u. ä. Ebenso sind in die Aufstellung Versicherungsverträge, Sparverträge des Erblassers, in welchen er dritten Personen oder seinem Ehepartner ein Bezugsrecht eingeräumt hat, mit aufzuführen.

Der Pflichtteilsberechtigte kann wählen, ob er vom Erben ein privatschriftliches oder ein notarielles Nachlassverzeichnis verlangt. Er kann sogar nach Vorlage eines privatschriftlichen Nachlassverzeichnisses zusätzlich die Anfertigung eines notariellen Nachlassverzeichnisses vom Erben verlangen, es sei denn, dies wäre rechtsmissbräuchlich. Pflichtteilsberechtigten steht zu, der Aufnahme des Nachlassverzeichnisses beizuwohnen. Mitwirken dürfen sie aber nicht. Erben tun gut daran, den Auskunftsanspruch ernst zu nehmen und korrekt zu erfüllen – Falschangaben können unangenehme Konsequenzen nach sich ziehen. Der Pflichtteilsberechtigte kann vom Erben verlangen, dass ihm die Werte der einzelnen Nachlassgegenstände mitgeteilt werden. Hat der Erbe keine Kenntnis über den Wert eines einzelnen Gegenstandes, muss er sich die Informationen besorgen. Bei Grundstücken und Firmen wird meist ein Gutachten einzuholen sein. Kosten dafür gehen zu Lasten des Nachlasses.

Die Einschaltung eines spezialisierten Anwalts hilft Erben, wie auch Pflichtteilsberechtigten auf sachliche Weise zu einem für beide Seiten befriedigenden Ergebnis zu kommen.

Gerne stehe ich Ihnen für eine Beratung oder anwaltliche Vertretung zur Verfügung.

Rico Buchwald
Rechtsanwalt

Kanzlei Pfeifer & Kollegen – Anwaltskanzlei Chemnitz

 

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